Karl Reichmuth, Luzern

Wie alles begann

Am Anfang war das Wort. Das kam vom weltbekannten Dirigenten und Komponisten moderner Musik: Pierre Boulez. Intendant Michael Haefliger von Lucerne Festival wusste für diese Idee den grossen Musikliebhaber Christof Engelhorn zu begeistern.

Wie alles, das nicht weichen soll, sich weiter entwickeln muss, wollte Christof Engelhorn „seiner ihm in über einem Jahrzehnt lieb gewordenen Musikstadt Luzern“ nach dem KKL einen weiteren Schub ermöglichen; Luzern könnte dadurch im internationalen Kreise der Festivals auch inskünftig die erste Geige spielen.

Christoph Engelhorn war ein Mäzen. Bereits beim KKL-Projekt – ich durfte damals das Zentralschweizerische Sammlungskomitee leiten - spendete er, ohne genannt werden zu wollen, eine der grössten Summen. Genau so diskret ging er bei der Salle Modulable vor. So wusste bis zu seinem Hinschied im August 2010 kaum jemand, wer hinter dem Zahlungsversprechen der Rütli Stiftung stand.

Seine Grosszügigkeit bestätigte sich durch sein Einverständnis, das neue Projekt mit der dringenden Notwendigkeit einer teuren Renovation des ins Alter gekommenen Theaters in Luzern zu verbinden. Von da an spricht man vom Projekt „NTI - Neue Theater Infrastruktur“.

Der Einbezug der Anliegen des Luzerner Theaters führte zu hohen Abklärungskosten. So wurden über 5 Mio. Franken des Spenders Christof Engelhorn ausgegeben, um zusammen mit den politischen Behörden 18 mögliche Standorte zu evaluieren. Wenn man nun nach derart gründlichen, langwierigen und auch teuren Abklärungen das - mit seinen Car-Parkplätzen nicht besonders ansehnliche - Inseli als unantastbar verherrlicht, grenzt dies an Undank gegenüber dem grossherzigen Gast-Bürger Christof Engelhorn.

Das langwierige und zeitraubende Vorgehen von Kantons- und Stadt-Behörden waren mit ein Grund für den überraschenden Rückzug des Zahlungsversprechens der von Engelhorn gegründeten Bermuda-Stiftung. Gegen diesen Rückzug wehrten sich die Salle Modulable-Stiftung und - als Co-Klägerin - die Rütli-Stiftung erfolgreich. Der grosse Erfolg (in 5,5 von 6 Punkten) wurde allerdings materiell geschmälert. Von den damaligen 114 Mio. sind jetzt nur noch 80 Mio. übrig. Dazu kam es durch den Umstand, dass eine englische Firma das Gerichtsrisiko gegen Erfolgs-Honorar übernommen hatte. Und dazu kommt: die Gelder werden erst mit der Erteilung der Baubewilligung fliessen.

Für die Projektierungskosten kann also die Bermuda-Stiftung nicht aufkommen, wie es von Herr Engelhorn ursprünglich vorgesehen war.

Noch dieses Jahr müssen darum sowohl im Kanton als auch in der Stadt für die Projektierungskosten Kreditanträge bewilligt werden. Nur mit einer Annahme des Planungskredites wird geklärt werden können, wie hoch die Investitions- und Betriebskosten sein werden, und wie das Konzept und die konkrete Architektur aussehen werden. In Kenntnis dieser zentralen Rahmenbedingungen wird das Volk im Mai 2019 an der Urne bezüglich Salle Modulable entscheiden können.